Mecklenburg 600 km
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Was 600 km ist das ein Schreibfehler? Nein wir haben tatsächlich Gaby's Sommerurlaub Juli/August 2003 dazu genutzt und haben dreieinhalb Wochen die Mecklenburgische Seenplatte erkundet. Von unserem Verein KC-Albatros ging es mit dem Kajak über Lehnitz, die Havel bis hoch nach Babke, dann wieder ein Stück zurück über den Labussee und Mirow zur Müritz bis hinauf nach Malchow.

Für den Rückweg haben wir uns die Fahrt über Rheinsberg und den dortigen Rhin, Ruppiner See, Kremmener Rhin und Oranienburger Kanal nach Berlin entschieden. Gut, dass wir nicht getrödelt haben, drei Tage später wurde der Rhin wegen Niedrigwasser gesperrt und wir hätten wieder zurück über die Havel nach Berlin paddeln müssen. Wir empfehlen die Wasserwanderkarte von Jübermann für dieses Gebiet, sehr nützlich um die weiterführenden Kanäle zu finden und Info's über Schleusen und Umtragestellen zu erhalten.

Eine sehr erlebnisreiche Urlaubsfahrt, die für den Paddler sowohl Ententeichbedingungen geboten hat wie auch etwas aktionsgeladene Passagen mit ein Meter Wellen längst über die Müritz als auch etwas Strömungsfahren auf dem Rheinsberger Rhin. Bei dem Superwetter, das wir insgesamt hatten muss man nicht in andere Länder, die sauberen Seen und einsamen Badestellen laden gerade zum Baden ein oder man springt mitten auf dem See aus dem Kajak rein und übt anschliessend Wiedereinstiegstechniken.

Überwiegend haben wir nette Menschen kennengelernt und es hat uns erstaunt wie leer die Gewässer trotz Haupturlaubszeit dort waren. Zu Ansammlungen kam es immer nur an den Schleusen bzw. Umtragestellen, davon haben wir ca. 25 genossen. Im Anschluss daran hatten wir dann wieder die von uns geliebte Ruhe, da Motorbootfahrer sich zügig entfernten und die ungeübten Paddler schnell hinter uns zurückblieben.

Leider gab es auch immer wieder eine Minderheit von Leuten überwiegend der jüngeren Altersklassen, deren einzigstes Lebensziel offensichtlich darin besteht soviel Lärm zu allen Tages- und Nachtzeiten und Dreck wie möglich zu machen oder sich anderweitig schlecht zu benehmen. Auch etliche Motorbootfahrer scheinen eher auf der Flucht zu sein als im Urlaub, beliebt wohl auch das Rasen nach den Schleusen um möglichst an der nächsten Schleuse einige Boote vorher geschleust zu werden. Von Naturschutz haben diese Leute wohl noch nie was gehört, ständig müssen die Ufer künstlich geschützt werden und irgendwie muss es auch toll sein mitten im Schilfgürtel zu übernachten. Auch hier zwar nur eine Minderheit von Rücksichtslosen, die noch dazu durch ihren unnötigen Wellenschlag die Paddel-Anfänger in Gefahr bringen, aber genug um negativ aufzufallen. Leider dürfen wohl auch bestimmte Bootsklassen ohne Motorbootführerschein dort betrieben werden, was deutlich zu merken ist, eindampfen in die Vorspring ist für viele ein Fremdwort und wenn mann nicht aufpasst wird man von irgendsoeinem Anfänger in der Schleuse platt gemacht, nett mit anzuhören wie so ein Faltbootgerüst splittert?

Doch nun der Reihe nach:

Zunächst ging es wieder über die Schleuse Spandau zum WCH, bei dem wir bereits nach 14 km unsere erste Nacht verbrachten. Immer wieder eine gute Zwischenstation, die Kameraden dort sind sehr nett. Am nächsten Tag ging es dann weiter zur Schleuse Lehnitz, wo wir die dortige Umtragestelle genutzt haben und nicht geschleust sind, bei der Höhe der Schleuse wird uns etwas mulmig. Nachdem wir eine kleine Brotzeit eingelegt hatten ging es weiter den Oder-Havel-Kanal hinauf, ab hier nun auch für uns ein neues Revier. Bei km 40 links in den Malzer Kanal hinein und schon war Liebenwalde erreicht. Vor der Brücke könnt ihr gut anlegen, Pause machen, was sonst nicht immer wegen der mit Steinen geschützen Ufer so leicht möglich ist oder auch wie wir etwas für die Weiterfahrt einkaufen. Klar mussten wir immer alles frisch kaufen, passte doch in die Kajaks kein Kühlschrank mehr hinein.

Kurz vor Krewelin fanden wir eine schöne Stelle zum Ausstieg wo wir für eine Nacht wild campten. Natürlich haben wir unseren Abfall mitgenommen. Am nächsten Tag ging es dann weiter über den Voßkanal und die Schleuse Zehdenick, die mit einer Hubbrücke und wiederum guten Einkaufmöglichkeiten aufwartet. Ab hier wurde dann auch die Havel interessanter, schlängelte sie sich doch in vielen Kurven durch die Landschaft (Achtung hier auf dieser Strecke soll aussteigen gefährlich sein, da viel Munition noch liegen soll). Über Burgwall ging es dann weiter zur Schleuse Schorfheide, Schleuse Zaaren zur Schleuse Regow. Kurz vor der Schleuse Regow befindet sich ein Biwakplatz, der sogar über ein Plumpsklo verfügt. Einen kurzen Fussweg entfernt befindet sich eine Ziegerei, bei der wir etwas frischen Ziegenkäse erstanden haben. Hier haben wir auch unseren Frischwasservorrat aufgefüllt. Kurze Zeit später kam dann noch eine Pfadfindergruppe an, die jedoch nach einem Hinweis des Leiters frühzeitig ruhig waren. Erstaunlich jedoch die Empfindlichkeit dieser Jungen wegen einiger weniger Regentropfen, morgens um sieben sollte eigentlich Abfahrt sein, aber auch das klappte nicht.

Für uns hiess es dann auch rechtzeitig weiter nach Himmelpfort(bekannt für die Weihnachtspost an den Weihnachtsmann und ihr könnt ein Klostergarten besichtigen) am Stolpsee wo wir uns auf dem Campingplatz D28 für eine Nacht häusslich niederließen. Schöner Blick von unserem Vorzelt auf den See, wie so oft in den folgenden Tagen. Nach dieser kurzen Tagestour hatte Burkhard noch nicht genug vom Paddeln und legte noch eine Extrarunde von 18 km bis nach Lychen ein, ein netter Nachmittagsstroll auf dem er noch ein Berliner Motorbootehepaar kennenlernte, das wir später noch des öfteren wiedersehen sollten. Schön hier auch die Paddelei durch die Woblitz, auch das dahinterliegende Revier mit den Feldberger Seen dürfte einen Ausflug wert sein. Leider stand die Nachtruhe auf dem Campingplatz nur auf dem Papier, einige wenige störten diese gewaltig, gut dass wir Ohrstöpsel dabei hatten.

In der Nacht hat es dann etwas gewittert und der Stolpsee war am nächsten Morgen noch etwas aufgewühlt aber angenehm zu befahren. An der Schleuse Fürstenberg haben wir eine kurze Rast eingelegt, die auch wiederum zum Einkaufen genutzt wurde, bevor es über den Röblinsee zu unserem nächsten Ziel dem Campingplatz C46 dem ersten von der Kette Haveltourist ging. Seid ihr mehrere Tage in der Ecke dort unterwegs lohnt sich die Kanu-Campingkarte mit der ihr wesentlich preiswerter auf den Wasserwanderplätzen übernachten könnt. Leider auch hier wieder junge Leute, die offensichtlich in ihrem Urlaub nix besseres zu tun haben als mit dem Auto in den Wald zu fahren, ihr Zelt aufzubauen und sich stundenlang gleich hinsetzen und dem Bier und Wodka zuzusprechen mit entsprechender Lärmentwicklung. Hier vielleicht mal die Natur am See oder im umliegenden Wald zu geniessen, das wäre ja mit Bewegung verbunden.

Zum Abend hin hat Burkhard dann wieder noch eine Extra-Runde gedreht und hat den Ziernsee und den Menowsee in Ufernähe erkundet. Gähnende Leere auf dem Wasser kaum noch einer unterwegs. Ab 15 Uhr suchen sich die Motorbootfahrer ein stilles Plätzchen zum Ankern und die Seen sind wie ausgestorben. Dann und in den frühen Morgenstunden kann man auch am besten die Tierwelt beobachten, wobei in Berlin weit mehr Tiere anzutreffen sind als in dieser Gegend. Am nächsten Morgen hiess es dann wieder aufbrechen, wir waren mittlerweile ein gut eingespieltes Team, was den Zeltabbau und Packen anbelangte, so dass wir immer schnell vom Platz waren nach einem ordentlichen Frühstück. Lustig hier auch immer wieder die erstaunten Blicke und Äusserungen der Mitcamper wie wir unser großes Zelt und die sonstigen Utensilien in den Booten verschwinden ließen. Manche fragten gar an, wo denn unser Gepäckbeiboot liegen würde. Ja da geht schon ganz gut was rein in unsere Boote.

Also weiter über den Ellbogensee, den großen Priepertsee (hier ist an einer historischen Holzbrücke ein schöner Fischverkauf, die Havel entlang durch die Schleuse Wesenberg zur gleichnamigen Stadt (...oder besser Dorf). Dort auch wieder ein schöner Wasserwanderrastplatz und eine schöne Einsetzstelle für die, die mit dem Auto sowas suchen. Toiletten und Duschen gibt es dort auch und sehr gute Einkaufsmöglichkeiten. Wir besichtigten etwas die Burg und die Altstadt bevor es über den Woblitzsee weiter einen sehr schmalen Kanal und nicht ausgeschildert (hier haben wir uns denn auch das erste und einzigste Mal verfahren, und waren plötzlich an der Schleuse Voßwinkel) zum großen Labussee ging, wo wir direkt hinter dem Schilfgürtel am Ende des Campingplatzes unser Zelt auf dem C56 wiederum vom Haveltourist aufbauten. Wichtig war auch, dass wir unseren Bootswagen von Eckla dabei hatten, denn auch diese Strecke vom See bis zu unserem Stellplatz wäre uns ohne Wagen doch sehr schwer gefallen. Immerhin wiegen die Boote mit Gepäck und Verpflegung sicher so um die 60 kg.

Hier war denn auch der einzigste Campingplatz von Haveltourist auf dem es in der Nacht ruhig war, was zum einen sicher daran lag, dass hier diese typischen Radaubrüder und -schwestern zum Teil nicht langkommen oder auch weil hier eine Mischung zwischen den vernünftigeren Wohnmobil und Wohnwagenurlaubern von den Stellplätzen her geschaffen wurde. Vieleicht kommen hier aber auch nur die lang, die irgendwann mal eine vernünftige Erziehung genossen haben bzw. nicht alles vergessen haben.

So blieben wir dann hier auch zwei Nächte (soviel ist mit dieser Kanu-Camping-Card ohnehin nur erlaubt) und wir nutzten den nächsten Tag für einen Ausflug in das eigentliche Naturschutzgebiet des Mecklenburgischen Nationalparkes. Über den Useriner See (hier dürfen dann auch keine Motorboote mehr fahren) und den Jäthensee bis nach Babke. An der dortigen Umtragestelle gibt es einen Fischer, der in der Saison auch leckeren Fisch zum Mitnehmen und zum sofortigen Verzehr verkauft. Netter Picknickplatz, was will man mehr. Wir sind dann von hier wieder zurück zunächst zum Campingplatz Hexenwäldchen am Jämelsee. Kurz vor dem Jämelsee müssen die Boote wegen Flachwasser getreidelt werden, zum Glück waren unsere Boote leer, sonst hätten sie wohl hier aufgesetzt. Zum Abschluß des Tages übten wir dann noch im großen Labussee Wiedereinstiegstechniken, die Eskimorolle, die wir im Schwimmbad beherrschten mit den anderen Booten will uns mit unseren weit längeren Booten einfach nicht gelingen, aber mit Hilfe der richtigen Technik kommt man ja auch so wieder in das Boot, dauert nur etwas länger. Für die stillen Beobachter dort sicher eine willkommene Abwechselung.

Da wir ja hoch zur Müritz wollten hiess es am nächsten Tag Abschied nehmen und wieder einen Teil des Weges zurückzupaddeln. Also wieder zurück über Wesenberg mit erneutem Einkauf, dem Priepertsee und über die Schleuse Strasen zum Großen Pälitzsee und dem Camping Platz C54 von Haveltourist für eine Nacht. Leider liegen die Stellplätze hier ziemlich hoch, also für Wasserwanderer nicht unbedingt geeignet, mit Hilfe unseres Bootswagens haben wir die Boote aber auch dorthin gebracht, wo wir sie hin haben wollten. Na ja und wer alles ausräumen musste wie die Kanufahrer ist daran auch nicht gestorben. Insgesamt wohl ziemlich beliebt dieser Platz bei Wasserwanderern, wohl wegen seiner strategisch guten Lage zwischen den Kanustationen. Hier wieder wie immer unsere Brötchen für den nächsten Morgen bestellt, die hervoragenden sanitären Einrichtungen genossen (wie auch auf allen anderen Plätzen von dieser Haveltourist-Kette), unser Handy-Akku und die Akkus für die Digitalkamera konnten wir hier zwischendurch auch immer wieder laden. Ach ja, wir hatten keinen Fernseher und nur ein kleines Radio dabei, dass wir aber nur dreimal für den Wetterbericht benutzt haben und wir haben das nicht vermisst. Auch hier wieder noch ein kurzer Waldspaziergang um auch mal die Beine etwas zu beanspruchen, wer mag kann hier den See entlang bis zum Ende dort gibt es in Adamswalde ein kleines Restaurant, allerdings nicht mit so besonderer Speisekarte.

Am nächsten Morgen ging es dann bei bewölktem Himmel los und hier überraschte uns dann ein Gewitterregen auf dem Wasser, der uns zu einer kurzen Rast am Ufer zwang. Doch auch das ging vorüber, der Himmel klarte auf und es wurde wieder schön. Also weiter über den kleinen Pälitzsee, Canower Schleuse (auch hier befindet sich wieder ein Fischer, bei dem ihr gut einkaufen könnt) vorbei an netten Hausbooten, den Vilzsee links liegen gelassen, ging es nach Mirow. Kurz vor Mirow wieder ein Fischer, der es noch nicht einmal für nötig befand uns bei einem Einkauf etwas Eis zu überlassen, also haben wir hier weniger gekauft. Nur soviel wie unsere kleine Kühlbox noch hergab. In Mirow selbst gibt es Wasserwanderrastplätze für Motorbootfahrer in einem kleinen Stichkanal vor dem Schloß, wo am Ende auch Plätze für Kanuwanderer vorgesehen sind. Lohnenswert auch die Besichtigung des Schloßparkes.

Nach diesem Abstecher paddelten wir dann noch zum Leppinsee bis zum C20 von Haveltourist. Der Leppinsee ist ausgewiesen als Seerosenparadies und wirklich solch riesige Flächen haben wir noch nicht gesehen. Hier auf diesem Platz konnte man noch nicht einmal mehr kalt duschen ohne einen Chip zu kaufen, begründet wurde dies damit, das die Sickergruben zweimal am Tag abgepumpt werden müssen, hier ist sich Haveltourist wohl nicht ganz einig, auf einigen Plätzen geht das, auf anderen wiederum nicht. Leider auch hier wieder eine Grupper von jungen Leuten, die mit dem Auto angereist waren. Vielleicht sollten die Zeltplatzbetreuer mal über den Platz gehen und nach dem rechten sehen, werde denen nochmal eine Mail zukommen lassen.

Am nächsten Morgen ging es dann weiter über den Woterfitzsee, die alte Fahrt und dem Bolter Kanal zur Müritz. Auch hier wieder Naturschutzgebiet anfangs ohne Motorboote. Hier mussten wir dann auf direkte Nachfrage bei einigen Kanuten feststellen, dass von den Kanu-Verleihern weder ausreichend die Vermittlung von Paddeltechniken vorgenommen wird noch auf den Naturschutz hingewiesen wird. Denen geht es offensichtlich nur um den Profit wie so oft auf dieser Welt. Die Natur kann sehen wo sie bleibt. An der Umtragestelle Bolter Schleuse (da ist gar keine Schleuse ?) kamen wir dann noch mit einigen Faltbootfahrern in das Gespräch, die meinten, wir sollten uns auf der Müritz nur in Ufernähe aufhalten. Nunja, sie wussten ja nicht, dass wir bereits ein klein wenig Wellenerfahrung hatten. Auf unseren Einwand, dass es doch auch Spass macht bei Wellen zu fahren reagierten sie mit Unverständnis.

Aus dem Bolter Kanal heraus, der auch vielen Motorbootfahrern als geschützter Ankerplatz dient, legten wir am linksseitigen Strand erstmal eine kleine Pause ein um uns für die Überfahrt quer über die Müritz nach Röbel zu stärken. Die Müritz war jedoch annähernd ohne größere Wellen, so dass die Querung keinerlei Probleme bereitete. Auffallend auch hier wieder die Leere auf dem Wasser, wo sind all die Wassersportler? Auf dem Heimweg sollten wir allerdings bei der längsseitigen Überquerung Ein-Meter Wellen haben, also die Warnungen sind zumindestens für Anfänger nicht ganz unberechtigt, bei ordentlich Wind und der Länge von ca. 20 km kann sich da in Nord-/Südrichtung eine ordentliche Welle aufbauen. Dazu noch die flachen Ufer mit Findlingen an einigen Stellen, es sollen auf der Müritz auch schon Motorbootfahrer ihr Schiff versenkt haben. Wir kamen jedoch unversehrt in Röbel an und checkten auf dem C73 Campingplatz bei Röbel ein. Nach dem Zeltaufbau machten wir uns zu Fuß auf nach Röbel, eine sehr schöne Uferpromenade mit tollen Aussichten auf dei Buchten Kirche und Dampferanlegestellen. Hier gibt es dann auch Aldi und alles was man sonst noch so braucht. Wer mit dem Rad da ist, die werden auch von den Dampfern mitgenommen, so kann man wohl eine Strecke mit dem Rad fahren und die andere mit dem Dampfer.

Kurz hinter dem Campingplatz ein Kino, wer nicht ohne auskommt sicher auch ein netter Zeitvertreib. Zufälligerweise war auch gerade ein Treffen der Triker, einige waren mit ihren Wohnwagenanhängern auch auf dem Platz, nett anzusehen, die schön bemalten Gefährte.

Der nächste Tag brachte bereits etwas mehr Wellen, aber wir waren immer noch ohne Spritzdecke unterwegs und paddelten nun nach Waren am Ende der Müritz und dem dortigen Hauptort. Vorbei also am Schloßhotel in Klink, etwas für die oberen Zehntausend zum Campingplatz Kamerun C100 an der Binnenmüritz. Dieser hatte schon eine ziemliche Größe, passend zu dem "touristischen" Waren. Wir haben uns einen schönen Platz unter Kiefern zwischen Dauercampern gesucht, der ausreichend Ruhe versprach und so war es denn auch, zwar diesmal kein Strand und Seeblick, aber wir sind ja den sonstigen Tag auf dem Wasser und haben damit genug Seeblick. Schlimm ist jedoch der Platz für Tagestouristen, die dürfen ihre Wohnmobile auf einer platten Wiese abstellen, das ist Massenabspeisung vom Feinsten. Für den kleinen Hunger gibt es hier auch ein Restaurant, besser ist jedoch das umfangreiche Angebot in Waren selbst.

Da es so schön hier war, blieben wir drei Nächte es gab ja auch ausreichend zu sehen. Einen Tag verbrachten wir allein in Waren, also mal weniger paddeln nur 2,5 km bis Waren, dort die Boote an der Uferpromenade abgelegt, schöne Anlandestellen mit Stufen und die Stadt besichtigt. Wir haben selten sowas schönes gesehen. Eine nette Stadt mit super modernisierten Fachwerkhäusern, umfangreiches und auch zum Teil preiswertes Angebot an Essenmöglichkeiten (Mittagsbuffet all you can eat beim Chinesen für 6,90 Teuro an der Dampferanlegestelle oder Fisch all you can eat für acht Teuro am Yachthafen), Fußgängerzone und Markt (fragt vorher nach den Tagen). Wenig entfernt vom Campingplatz findet ihr auch wieder Aldi, einen Baufachmarkt, bei dem wir eine Gaskartusche kauften und diverse andere Geschäfte. Besucht auch das Museum im Rathaus. Das wäre mal so eine Stadt wo wir als Rentner für ein halbes Jahr einen Wohnwagen (...den wir dann erst kaufen) aufstellen könnten und es uns gut gehen lassen. Den Winter dann im Süden verbringen am besten in Australien unserem nach wie vor Lieblingsland (...schaun ma mal)

Den nächsten Tag nutzen wir für einen Ausflug über den Kölpinsee (dort ein Wiesentgehege- leider keine gesehen) und Fleesensee nach Malchow. Achtung auch hier bei etwas schlechterem Wetter wie wir es an diesem Tag hatten entsteht auf dem Kölpinsee auch eine schöne Welle, diesmal von der Seite. In Malchow selbst wieder so eine Zugbrücke, die zu jeder vollen Stunde sich öffnet, eine preiswerte Aalräucherei und Fischladen. Eigentlich wollten wir ja noch einige km weiter bis in den Plauer See nur zog es sich immer mehr zusammen, und wirklich als wir am späten Nachmittag zurück waren ging einer der wenigen Gewitterschauer hernieder.

So hiess es denn am nächsten Tag Abschied nehmen von dieser schönen Gegend. Der Wind hatte in der Nacht noch mehr aufgefrischt und er kam aus Süden. Anfänglich in der Binnenmüritz noch gut geschützt ging es anschliessend gut zur Sache. Wir hatten uns ja gewünscht, die Müritz bei etwas mehr Wellengang zu fahren und diesmal mussten wir die Spritzdecke einsetzen, Wind, Wellen und Gicht peitschten uns entgegen, das Wasser spritzte über uns hinweg, Motorboote trauten sich nicht mehr raus und nur wenige Segler waren unterwegs. So haben wir denn auch für die knapp 18 km über vier Stunden gebraucht, Gaby wollte bei den Bedingungen nicht einmal die mitgebrachte Schwimmweste anlegen und hat tapfer durchgehalten. Am Strand hinter der Claas-Marina haben wir dann die wohlverdiente Pause nach vier Stunden eingelegt und die nasse Kleidung gewechselt. Auf der Suche nach einem schönen Übernachtungsplatz sind wir dann noch bis in die Müritz-Havel-Wasserstrasse gepaddelt und haben dort an einem Biwakplatz unser Nachtlager aufgeschlagen kurz vor der Schleuse in Mirow, wo der Kanal sich zu einem See weitete. Hier auch wieder beeindruckend welche Dreckschweine unterwegs sind, musste dann hier doch ein Foto vom Müllberg machen. Ansonsten blieben wir allein mit wundervoller Aussicht auf den See, die uns die Anstrengung der Müritzfahrt vergessen liessen.

Der folgende Paddeltag führte uns dann wieder nach Mirow (kurzer Einkaufstop), dann wieder über den Zootzensee, den Vilzsee zur Fleether Mühle. Die Fleether Mühle ist längst abgebrannt, an etwas neuem wird dort zur Zeit gerade gebaut, hier mussten wir die Boote für die Fahrt über den Rätzsee umtragen. Haben hier sogar zwei holländische Ruderer getroffen, die sichtlich Mühe hatten durch den kurzen Kanal vor dem Rätzsee zu kommen. Als sie dann merkten, dass wir nicht zu den Anfängerpaddlern gehörten, haben sie uns dann vorbeigelassen. Nicht schlecht gestaunt haben sie, dass wir auch auf dem See an ihnen vorbeizogen. Hier auch wieder Motorbootfreie Zone, na ja manch ein Segler konnte es mal wieder nicht lassen seinen Motor anzuschmeissen. Gegenüber dem C28 schlugen wir an einem ausgewiesen Biwakplatz unser Lager auf, erfrischten uns wie so oft im See, bevor wir wiederum allein die Abendstimmung genossen.

Über den Drosedower Bek und den Gosenow See machten wir einen kurzen Abstecher nach Wustrau um die dortige Umtragestelle zu besichtigen. Wieder viel Trubel dort, ging es doch von dort aus in die Schwanenhavel, die wir auf unseren Hinweg ausgelassen hatten wegen dieser weiten Umtragestelle, und in der Tat, es ging ganz gut zur Strasse hoch, ein ordentliches Stück die Landstrasse bei Wustrau entlang und dann noch weit bis zum Plätinsee hinunter. Vielleicht ein andermal in diesem Leben. Aber auch die Landschaft bis zur Umtragestelle mit einem kleinen Seerosenteich einem sehr engen und flachen Stichkanal hat diesen kleinen Umweg gerechtfertigt. Wieder auf dem Gobenowsee ging es über den Labussee und Schleuse Canow wieder zum großen Pälitzsee, wo wir noch die letzten beiden Tage unserer Kanu-Camping-Card ausnutzten, Waschmaschine und Trockner nutzten. In Canow vor der Schleuse erstanden wir beim Fischer eine 600 g Forelle ( vier Teuro), die wir am Abend auf unserem Grill zubereiteten. Gaby hat alles in Folie eingelegt und gewürzt, ein sehr schmackhaftes Essen. Am nächsten Tag haben wir den großen Pälitzsee in Ufernähe erkundet und sind bei der Schleuse Strasen im Hotel zum Löwen zum Mittagessen eingekehrt. Von hier aus kann der Schleusenverkehr gut beobachtet werden, das Essen ist auch sehr gut. Ähnlich wie in Canow gibt es hier in Strasen auch so Tante Emma Läden.

Gut erholt ging es dann über den kleinen Pälitzsee und den Hüttenkanal mit der historischen Schleuse Wolfsbruch, Zechliner Hütte bis zum Rheinsberger See. Hier verschlug es uns auf den Campingplatz an der Steinlage D100, eigentlich ein eingetragener Verein, aber Gäste werden auch aufgenommen. Der Platz sehr "basic" mit Plumpsklo und Wasser aus der Pumpe, dafür sehr familiär und ruhig. Unser Platz wieder direkt am Wasser mit Blick auf die Remusinsel auf der Biwak nicht gestattet ist. Dafür liegen etliche Motorboote rings um die Insel, die damit zum Seeklo des Rheinsberger Sees umfunktioniert wird. Also Zelt aufgebaut und noch etliche km zum Einkaufen nach Rheinsberg, das Schloss liegt ja nicht am Rheinsberger See sondern am Grienericksee, noch einige Fotos vom Schloss und Umgebung und zurück zum Campingplatz. Am nächsten Tag unternahmen wir dann einen Ausflug mit der Erkundung des Bikowsees, über den Jagowkanal in den Zootzensee, der sehr klar ist, den Zechliner See bis zum Ende des schwarzen See. Auch hier wieder am Ende ein Fischer mit schmackhaften Gerichten. Zwischendurch nochmals baden gegangen bevor es zum Platz zurückging. Auch hier haben wir wieder drei Nächte verbracht, so war noch Zeit für ein Treffen mit Gaby's Eltern in Rheinsberg. (im Schloßgarten finden Konzerte im Freien statt). Wir haben unsere Kajaks diesmal beim dortigen Ruderverein für einen kleinen Obulus abgelegt, waren nochmals shoppen und haben uns an der Umtragestelle in den Rheinberger Rhin etwas umgeschaut, ganz schöne Strömung dort am Wehr. Mittagessen war diesmal im Fischrestaurant an der Uferpromenade angesagt, ebenfalls sehr lecker, wenn auch einige Teuro teurer als direkt beim Fischer. Zum Cafe noch in das Eiscafe um die Ecke eingekehrt und der Tag war gerettet.

So hatten wir den größten Teil unserer Urlaubsfahrt hinter uns doch nun sollte noch ein Highlight folgen, die Fahrt durch den Rheinsberger Rhin, der als schützenswürdiges Gewässer etlichen Einschränkungen unterworfen ist. So muss der Wasserstand an der Obermühle mindestens 65 cm betragen, sonst ist die Befahrung nicht gestattet. Unter: Tel. 033082/40716 werden Infos zum Wasserstand am Rhin durchgesagt!!! Erlaubt sind nur noch Einer- und Zweierkajaks, Steuer die unter die Kiellinie gehen dürfen nicht eingesetzt werden. Sehr eigenartig werden doch durch Paddelschläge mehr Kräfte ausgelöst als gerade durch das Steuer. Schlimm sind dann auch die Paddler die da in Gruppen hinunterpaddeln, annähernd null Ahnung, eine Einweisung durch die Verleiher erfolgt zumindest nicht in ausreichendem Maße. Können keinen Meter gerade ausfahren und es ist an zahllosen Stellen deutlich zu sehen wo die Jungs und/oder Mädels in die Ufer gerammelt sind, die in der Folge dann ausgehöhlt abrutschen, auch die Schrammen und Kratzer an den Baumwurzeln sind nicht mehr zu zählen. Also wenn schon Naturschutz dann gehören die dortigen Verleiher verboten. Eines Tages wird der Rhin vielleicht ganz gesperrt, da das Rheinsberger Schloß auf Holzpfählen steht und die immer im Wasser stehen sollten um nicht zu vermodern. Aber auch wir sind mit unseren 5,20 Meter Langschiffen nicht immer ansatzlos um die Kurven gekommen und mussten das eine oder andere Mal mit Rückwärtsschlägen nachhelfen, ohne allerdings an die Ufer zu kommen. Auch wir blieben allerdings an einem umgestürzten Baum hängen und schlugen in der Strömung quer und konnten deshalb das erste und einzigste Mal unsere Handlenzpumpe einsetzen. Auch hier wieder zwei Umtragestellen, eine bei Rheinsbergen und eine in Zippelsförde mit Forellenaufzucht. Bei Zippelsförde ist für die Verleiherboote Schluss, sie werden dort mit dem Auto abgeholt.

So sind wir also am Sonntag noch gut durchgekommen und am Mittwoch wurde der Rhin dann wegen zu niedrigem Wasser gesperrt. Das wäre zum einen Schade gewesen, da wir dieses Highlight verpasst hätten und zum anderen hätten wir die gleiche Strecke andererseits über die Havel zurückpaddeln müssen.

Für uns ging es jedoch noch weiter und da der Rhin hinter dem Wehr fast kein Wasser hatte mussten wir die Boote gut 200 Meter durch das Flussbett ziehen, gut, dass wir den Bootswagen dabei hatten. Kann auch sein, dass die Forellenaufzucht, das Wasser abzieht, denn am Wehr dahinter ist eigentlich genug Wasser da. Also wieder einsetzen dort und weiter über den Rhin, der nun nach kurzer Zeit auch nicht mehr strömte, sondern ein idyllischer, schlängelnder Fluss war. Von Lindow aus kamen dann auch wieder Motorboote und störten die Beschaulichkeit. Über den Zermützelsee, den Teetzensee, den Molchowsee und die Schleuse Alt-Ruppin erreichten wir dann den Kanuverein Neuruppin, wo wir sehr freundlich aufgenommen wurden. Da wir unseren Stellplatz wieder direkt am Wasser und deren Anlegesteg hatten kamen wir in den Genuß die ersten Versuche eines Paddlers mitzuerleben ein Rennkajak zu stabilisieren. Er lag mehr im Wasser als er im Boot saß. Die Dinger sind ja auch derart schmal und haben wohl annähernd null Anfangsstabilität. Letztendlich hat er das Kajak noch sechs Meter tief im Ruppiner See versenkt, nächsten Tag sollte wohl ein Taucher zwecks Bergung kommen (...na Gunnar ist schon wieder ne handbreit Wasser unter dem Kiel statt über dem Kiel?) Weil es so schön war blieben wir auch hier drei Nächte, lohnt sich auch für die Stadtbesichtigung mit vielen preiswerten Restaurants, dem "Hafen" mit einer riesigen Metallskulptur Parzival als Zeichen für den Aufbruch und eine kleine Paddeltour nach Alt-Ruppin und in die gegenüberliegende Lanke.

Hier in Neuruppin haben wir denn auch den einzigsten Tag genossen, an dem wir auf der ganzen Tour nicht gepaddelt sind. Das war auch gut so, denn vor uns lagen ja wieder lange Kanalfahrten, die allerdings idyllischer sind als die auf dem Hinweg, zurück nach Berlin. Also den langgestreckten Ruppiner See gepaddelt bis zur Schleuse Alt-Friesack (eine Doppelschleuse), auch hier wie im Ruppiner See wegen der anhaltenen Trockenheit sehr niedriges Wasser teilweise mehr als einen halben Meter unter Normalniveau. Hinter der Schleuse durch den Bützsee, den Kremmener Rhin entlang auch teilweise ein Naturschutzgebiet und den Ruppiner Kanal bis Oranienburg mit wieder drei Schleusen zwischendurch, den Oranienburger Kanal mit sehr verdreckten Ufern bis zum WCH in Berlin, wo wir auf schönem grünen Rasen nochmals eine Zwischenübernachtung einlegten bevor es zu unserem Verein zurückging.

Uns hat diese Tour sehr gefallen und wir freuen uns bereits auf weitere Touren, sicher können wir hier nicht alles schreiben, also wenn ihr Fragen habt nur zu, ähnlich wie uns das Internet hilft helfen wir auch gerne anderen auf diesem Wege.